Tag der verbrannten Bücher

Die OMAS GEGEN RECHTS Gruppe Köln hatten erst die Idee, zum Tag der Bücherverbrennungen am 10.Mai 2021 verschiedene Buchkapitel und Gedichte als Video oder Tonmitschnitt aufzunehmen, um dieses dann ins Internet hochzuladen. Aus verschiedenen Gründen wurde diese Idee verworfen und wir entschlossen uns, eine Buchlesung mit „richtigen“ Besuchern abzuhalten.
Da Köln zu diesem historischen Ereignis ein Bodendenkmal besitzt, haben wir uns den Ort näher betrachtet und erste Pläne geschmiedet.
Jetzt begann ein fleißiges Suchen nach Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Listen mit AutorInnen und Büchern wurden hin- und hergeschickt, Biografien wurden gesucht und abgespeichert und mit Fotos versehen.
Allmählich wusste auch jede von uns, welche Autorin, welcher Autor ihr am meisten liegt.


Am 16.05. dann stellten wir also zwei Pavillons auf, einen Tisch und Sitzbänke. Zwischen Bäume spannten wir eine Leine und clipsten die Biografien daran fest.


Die Lesung begann mit einer Einleitung durch Renate. Sie spannte den Bogen von der Machtergreifung der Nazis (Januar 1933) zum Ermächtigungsgesetz (März 1933) zu den Bücherverbrennungen (Mai 1933) und zu unserer heutigen Zeit.
Und warum es uns OMAS GEGEN RECHTS gibt, ja geben muss.
Anschließend erzählte uns Renate etwas zu Anna Freud, ihr Schaffen und Wirken.
Es folgte ein Grußwort vom Kölner Frauengeschichtsverein. Dieses überbrachte uns Frau Ina Hoerner-Theodor. Sie lobte unser Wirken als OMAS GEGEN RECHTS. Dann las Sie aus Briefen aus dem Gefängnis und einem Buch von Rosa Luxemburg vor.
Hanna brachte uns Alexandra Kollontaj näher. Sie war eine russische Revolutionärin, Diplomatin und Schriftstellerin, die die Situation der Frau thematisierte und sich für Gleichberechtigung einsetzte. Sie war im russischen Kabinett die erste Ministerin der Welt.
Christine erzählte uns jetzt etwas über Nelly Sachs. Sie musste vor den Nazis nach Schweden fliehen, wo sie sich regelrecht durchschlug. Auch nach dem Ende des Krieges dauerte es, bis ihre Gedichte bekannt wurden. Erst Anfang der 60er Jahre wurden ihre Gedichte, die sich mit dem Thema jüdische Vertreibung auseinandersetzten, einem breiteren Publikum zugänglich. Sie erhielt 1966 den Nobelpreis für Literatur.
Gisela brachte uns jetzt Bertha von Suttner näher. Sie war die erste Frau überhaupt, die einen Friedensnobelpreis erhielt. Sie stellte sich unbeirrt gegen nationalen Fanatismus, gegen aggressive Parolen von Kriegstreibern, Hasspredigern, Antisemiten.

Klaus der Geiger trug uns jetzt ein Lied gegen den Krieg vor. Er erhielt natürlich viel Applaus. Wir freuten uns sehr, als er seine Teilnahme an unserer Veranstaltung zusagte.

Beate brachte uns Erich Kästner nah. Sein Werk „Emil und die Detektive“ wurde im Gegensatz zu seinen anderen Büchern nicht verboten. Er war der einzige Autor, der persönlich zuschaute, als seine Bücher verbrannt wurden.
Marcel hatte sich für seinen Vortrag das Gedicht „Der Gefangene“ von Erich Mühsam ausgesucht. Mühsam, ein jüdischer Anarchist und Dichter, war den Nazis ein Dorn im Auge und sie brachten ihn nach 17monatiger Inhaftierung im Juli 1934 im KZ Oranienburg um.
Gabriele erzählte uns über Irmgard Keun. Ihr Roman „Das kunstseidene Mädchen“ war vor ein paar Jahren das „Buch für die Stadt Köln“. Eine Widmung in Form einer Statue befindet sich am Kölner Rathausturm. Ihre Bücher wurden 1933/34 verboten und sie ging in die Niederlande ins Exil. 1940 kehrte sie unter falschem Namen zurück und lebte unerkannt und in Armut in Bonn und Köln. Erst Ende der 70er Jahre verbesserte sich ihre finanzielle Situation. Durch Presse und Funk erhielt sie noch einmal gebührende Aufmerksamkeit.
Evelyn las ein Gedicht von Joachim Ringelnatz vor und erzählte kurz über seine Biografie.
Judith hat sich Gina Kaus herausgesucht. Sie gründete eine Frauenberatungsstelle und wurde mit Romanen berühmt. Einige ihrer Romane fielen der Büchervernichtung zum Opfer. Nach vielen Zwischenstationen landete sie mit ihrer Familie in Hollywood. Eines ihrer Bücher wurde als „Teufel in Seide“ verfilmt.
Gisela stellte uns Mascha Kalèko vor. Ihre Bücher wurden ab 1938 verboten. Sie emigrierte mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten und hielt sich dort mit Werbetexten und Kindergedichten über Wasser. Nach dem Krieg fand sie wieder ein breites Lesepublikum.

Zum Abschluß der Veranstaltung besang Klaus der Geiger mit kraftvollem Ton den „Pegidamann“, und dass ihn und die „Pegidafrau“ keiner braucht.
E.Illgen / OMAS GEGEN RECHTS Gruppe Köln



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